Freitagsproteste – Zahlreiche Tote nach Protesten in Syrien

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FreitagsprotesteZahlreiche Tote nach Protesten in Syrien

In der arabischen Welt brodelt es weiter. In Jordanien, Bahrain und Jemen protestieren die Menschen. In Syrien sollen Dutzende Demonstranten erschossen worden sein.

Überall in der arabischen Welt brodelt es weiter.

Überall in der arabischen Welt brodelt es weiter.

DPA

Genaue Angaben über die Zahl der Opfer in Syrien lagen nicht vor. Gemäss Oppositionskreisen wurden in der Stadt Al-Sanamien südlich von Damaskus 23 Zivilisten erschossen und 140 verletzt. Andere Quellen sprachen von 17 Toten. Die Menschen waren auf dem Weg in die südliche Stadt Daraa, um die Demonstranten dort zu unterstützen.

In Daraa zogen laut Augenzeugen fast 20 000 Menschen in einem Trauermarsch durch die Stadt. Sie gedachten der mehr als 40 Menschen, die zwei Tage zuvor bei einem Einsatz der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten getötet worden waren.
Als die Demonstranten unter anderem eine Statue des früheren Präsidenten Hafes al-Assad - dem verstorbenen Vater des derzeitigen Staatschefs Baschar al-Assad - in Brand setzten, sollen gemäss Augenzeugen Soldaten das Feuer auf die Menge eröffnet haben. Es soll mehrere Tote gegeben haben.

In anderen syrischen Städten kam es am Freitag zu Solidaritätskundgebungen Tausender Menschen, darunter auch in der Hauptstadt Damaskus, wo Dutzende festgenommen wurden. Gleichzeitig fuhren rund 1000 Anhänger des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad mit ihren Autos durch Damaskus, um Stimmung für den Staatschef zu machen. «Bei unserem Blut, bei unserer Seele, wir opfern uns für Baschar», riefen sie.

Verletzte Demonstranten in Jordanien

Regierungsanhänger in Jordanien haben am Freitag Teilnehmer einer regimekritischen Kundgebung mit Steinen angegriffen und dabei nach Angaben von Ärzten gegen 100 Menschen verletzt. Der Angriff ereignete sich auf dem zentralen Platz der Hauptstadt Amman, wo sich rund
1000 Jordanier der Protestaktion angeschlossen hatten. Die Demonstrantenforderten die Auflösung des Parlaments und den Rücktritt von Ministerpräsident Maruf el Bachit.

Am vergangenen Donnerstag waren bei einer ähnlichen Auseinandersetzung vor dem Innenministerium 35 Aktivisten verletztworden. Der Gewaltausbruch galt als einer der blutigsten seit Beginnder von den Volksaufständen in der arabischen Welt inspirierten Demonstrationen in Jordanien.

Schüsse in Jemen

Angesichts erneuter Massenproteste im Jemen hat Präsident Ali Abdullah Saleh am Freitag versucht, seine Kritiker zu besänftigen. Um ein weiteres Blutvergiessen zu verhindern, sei er unter gewissen Bedingungen zu einem Rücktritt bereit, erklärte er in einer Fernsehansprache.

Während sich vor dem Präsidentenpalast in Sanaa Zehntausende Saleh-Anhänger versammelt hatten, demonstrierten auf dem nahe gelegenen Taghier-Platz ebenfalls Zehntausende Regierungsgegner für seinen sofortigen Rücktritt. Dazwischen hatten sich starke Polizei- und Armee-Einheiten postiert.

Unter dem Motto «Tag des Abschieds» trotzten die Saleh-Gegner dem vor einer Woche verhängten Ausnahmezustand. Der Prediger Abdul Rakib Abad, der das Freitagsgebet der Oppositionsanhänger leitete, rief dazu auf, die Zwangsmassnahme zu «ignorieren»

Die Spannung in der Hauptstadt war zum Zerreissen gespannt. Ein Saleh-Anhänger auf einem Hausdach schoss auf die Kundgebung auf dem Taghier-Platz. Seine Kugel verletzte einen Soldaten. Der Heckenschütze wurde daraufhin festgenommen. Vor genau einer Woche hatten Scharfschützen des Regimes auf diese Weise 53 Demonstranten getötet und über 240 verletzt.

Tag des Zorns in Bahrain

Tausende Menschen haben in Bahrain an einem Gebet des einflussreichen schiitischen Geistlichen Issa Kassim teilgenommen. Nach den Freitagsgebeten gab es zunächst keine Proteste gegen die sunnitische Staatsführung. Regierungsgegner hatten erneut zu einem «Tag des Zorns» aufgerufen.

Im Golfstaat Bahrain, wo 60 Prozent der Bevölkerung Schiiten sind, herrscht der Ausnahmezustand. Alle Protestaktionen sind verboten. Viele Oppositionelle verlangen von der Herrscherfamilie die Umwandlung des Staates in eine konstitutionelle Monarchie.

Die Regierung beschuldigte unterdessen die vom Iran gestützte Organisation Hisbollah, hinter den Unruhen in dem Inselstaat zu stecken.

L'essentiel Online /

(sda)

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