Rätsel – Zerstückelte ein Profikiller den Tech-Millionär?

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RätselZerstückelte ein Profikiller den Tech-Millionär?

Der Technologie-Unternehmer Fahim Saleh wurde in seiner Wohnung getötet. Er hatte sein Geld in Firmen investiert, bei denen es zu schweren Konflikten gekommen war.

«Ein tragischer Verlust», «Ich bin wirklich traurig» – auf Social Media reagieren die Nutzer mit viel Anteilnahme auf den Tod des 33-jährigen Tech-Millionärs Fahim Saleh. Die zerstückelte Leiche des Unternehmers wurde am Dienstag von dessen Schwester in der Wohnung des Mannes im Süden von Manhattan gefunden.

Saleh sei ein liebevoller Mensch gewesen. Seine Innovationen in Nigeria seien pragmatisch und zeitgemäß gewesen, twitterte das Team von Gokada, einer Start-up-Firma des Toten.

Doch noch bleibt vieles offen in Bezug auf seinen gewaltsamen Tod in einer New Yorker Luxuswohnung.

Woran arbeitete der Tote?

Fahim Saleh war ein Tech-Millionär. Seine Eltern stammen aus Bangladesh, aufgewachsen ist er hauptsächlich im Staat New York. Als Kind soll er sich oft Videospielen gewidmet haben. Seine erste Website hat er laut Medienberichten bereits als Jugendlicher erstellt. Noch in der Highschool hat er auch seine erste Firma gegründet.

Unter anderem gründete er Prank Dial. Mit der Website sind Anrufstreiche möglich. Damit soll er zehn Millionen Dollar erwirtschaftet haben, wie er 2018 schrieb. Später folgte Pathao – ein Transportnetzwerk in Bangladesh. Hussein Elius, der Pathao gemeinsam mit Saleh gründete, sagte gegenüber der «Daily Star» in Bangladesh: «Fahim glaubte an das Potenzial der Technologie, das Leben in Bangladesh und darüber hinaus verändern zu können.» Saleh sei «eine unglaubliche Inspiration für Pathao und unser gesamtes Ökosystem» gewesen, meinte Elius.

Saleh war zuletzt CEO von Gokada. Die Firma ist in Nigeria tätig und bietet dort ein Transportsystem mit Motorrädern an. In der nigerianischen Stadt Lagos waren die kommerziellen Motorräder wegen schwerer Unfälle verboten worden. Wenige Monate vor seinem Tod sprach Saleh als CEO von Gokada in einem Video auf Youtube über die ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen wie Helme oder Bluetooth-Headsets. «Ich werde nie aufgeben, weil das die wahre Eigenschaft eines Unternehmers ist», sagte er.

Neben Gokada leitete Saleh die Risikokapitalfirma Adventure Capital. Zu seinen Investitionen gehört auch eine App für Mitfahrgelegenheiten in Bogotá. Anfang dieses Jahres verbannte die kolumbianische Regierung die App, nachdem sie mit dem Verband der Taxifahrer einen Deal ausgehandelt hatte: Als Gegenleistung durften Taxifahrer nicht an Demonstrationen gegen Präsident Iván Duque Márquez teilnehmen.

Wer könnte der Täter sein?

Über den Täter ist noch nicht viel bekannt. Laut Medienberichten soll er schwarz gekleidet und maskiert gewesen sein. Er sei dem Opfer in den Lift gefolgt. Laut «Daily Mail» soll der Unbekannte ein Ninja-Outfit getragen haben. Dem Opfer soll wiederholt und tödlich in den Oberkörper gestochen worden sein. Erst mehrere Stunden später wurde die Leiche mit einer elektrischen Säge zerstückelt.

Die Polizei glaubt, dass es sich um einen Profikiller handelt, der geflohen ist, als die Schwester von Saleh unerwartet eintraf. Laut Ermittler wollte der Killer die Leichenteile eventuell wegtragen, um keine Spuren der Tat zu hinterlassen. Er sei aber möglicherweise dabei unterbrochen worden.

Welche Motive könnte es geben?

Ermittler vermuten, dass der Mord das Ergebnis eines finanziellen Streits mit jemandem gewesen sein könnte, der entweder einen Auftragskiller angeheuert oder den Mord selbst begangen hat.

Laut Daily Beast sind die nigerianischen Behörden nicht in die laufenden Ermittlungen involviert, hätten sich aber bereit gezeigt, Hinweise zu liefern in Bezug auf Salehs Aktivitäten in ihrem Land.

Vor allem wollen die Ermittler die Beziehung zwischen dem Opfer und dem früheren CEO von Gokada, Deji Oduntan, beleuchten. Die beiden hatte die Firma, die als eine Art «Uber mit Motorrädern» beschrieben wird, 2017 gegründet. Im Sommer 2018 wurde rund 70 Prozent des Personals entlassen. Ein ehemaliger Angestellter erzählte, dass Oduntan und Saleh öfter darüber gestritten hätten, wie das Unternehmen zu führen sei.

Im März 2019 verließ Oduntan die Firma, Saleh übernahm die Rolle des CEO. Zwei Monate später ernannte er den Start-up-Unternehmer Ayodeji Adewunmi zum Co-CEO. Im Interview mit Techpoint.africa verteidigte sich Saleh kurz danach gegen die Vorwürfe wegen Missmanagements.

Im August 2019 musste Gokada die App für zwei Wochen aussetzen, zudem trat in Lagos ein Verbot von Motorrad-Mitfahrgelegenheiten in Kraft. Zu jenem Zeitpunkt hatte der 33-Jährige ein Vermögen in seine Firma investiert. Co-CEO Adewunmi verließ im Januar dieses Jahres das Unternehmen – ohne öffentliche Erklärung. Der Frust unter den entlassenen Motorradfahrern sei sehr groß gewesen, schreibt «Daily Beast» weiter. «Das war definitiv ein Schlag», gab auch Saleh in einem Facebook-Post zu.

(L'essentiel/Thomas Mathis/Karin Leuthold)

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