In Luxemburg – Zu Gast in Luxemburgs kleinster Gemeinde

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In LuxemburgZu Gast in Luxemburgs kleinster Gemeinde

SAEUL – Mit weniger als 1000 Einwohnern gilt Saeul im Großherzogtum als Ausnahmegemeinde. Das bedeutet aber nicht, dass es dort keinen Fortschritt gibt.

Die Bevölkerung Luxemburgs wächst rasant. Eine Ausnahme liegt im Westen des Landes zwischen Mersch und der belgischen Grenze: die Gemeinde Saeul. Dort leben «nicht einmal 900 Einwohner», wie Bürgermeister Jean Konsbruck sagt. Tatsächlich ist Saeul die letzte Gemeinde Luxemburgs, in der weniger als 1000 Menschen leben. Obwohl sie von den Nationalstraßen N8 und N12 durchquert wird, ist die Gemeinde ruhig und idyllisch. Im Dorf Saeul gibt es eine Tankstelle, eine Bäckerei und ein gut besuchtes Restaurant. Tonangebend ist aber die Landwirtschaft.

Was läuft in einer Gemeinde dieser Größe anders? «Als Bürgermeister steht man in einem sehr engen Verhältnis zu den Menschen. Ich kenne hier jedes Problemchen», sagt Konsbruck. Die Finanzen seiner Gemeinde verwalte er «wie ein guter Familienvater». Die Zuschüsse des Staates seien sehr überschaubar: «Wir haben zum Beispiel 35.000 Euro in einen Schrebergarten gesteckt. Andere Gemeinden zahlen so viel für die Planung», sagt Konsbruck. Um die Kosten der neuen Schule abzutragen, habe die Gemeinde eines ihrer Grundstücke verkaufen müssen.

«Bis 2022 werden wir wahrscheinlich die 1000 Einwohner überschritten haben»

Trotz seines ländlichen Charakters entwickelt sich auch Saeul weiter. Mehr und mehr junge Leute und Familien machen die Gemeinde zu ihrem Lebensmittelpunkt und ziehen dorthin. «Alle Viertelstunde fährt von hier aus ein Bus in die Hauptstadt», sagt der Bürgermeister stolz. Bei einem Rundgang durch das Dorf zeigt Konsbruck immer wieder auf Häuser, die noch «vor zehn Jahren» nicht da standen. «Bis 2022 werden wir wahrscheinlich die 1000 Einwohner überschritten haben», ergänzt er.

Diese Marke zu erreichen, ist den Menschen der Gemeinde nicht sonderlich wichtig. Vielmehr wollen sie unabhängig bleiben: Bereits im Jahr 2011 hatte die Mehrheit der Einwohner in einer Volksabstimmung die Fusion mit einer Nachbargemeinde abgelehnt. Ab Oktober soll ein Park&Ride-Parkplatz gebaut werden. Danach soll ein in Luxemburg einzigartiges energieeffizientes Wohnviertel gebaut werden. Der Fortschritt hält also auch hier Einzug.

(Nicolas Chauty/L'essentiel)

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