Mode in Luxemburg – Zu viele Luxusläden in der Hauptstadt?

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Mode in LuxemburgZu viele Luxusläden in der Hauptstadt?

LUXEMBURG - Unbezahlbare Mieten und hohe Löhne: Die Einzelhändler in Luxemburg-Stadt tun sich schwer. Die Luxusmodegeschäfte erobern dagegen die Innenstadt.

Seit 2011 besitzt Carmen den kleinen Modeladen «RetroVolver» auf der Place des Capucins in Luxemburg-Stadt. Bunte Kleidung verschiedener Marken wird dort angeboten. Doch zufrieden ist die junge Frau mit dem Geschäft nicht. Unbezahlbare Löhne und wenig Umsatz: Carmen kommt kaum über die Runden. Dass sich viele Luxusmodegeschäfte um ihren Laden herum befinden, findet sie «frustrierend». «Ist die Krise da oder nicht?», fragt sich die Jungunternehmerin.

Sie fühlt sich alleine gelassen: «Einzelhändler haben keinen Platz hier in der Hauptstadt. Es ist eine Frage der Miete. Ich hatte noch Glück, da die Stadt einen Teil meines Mietbetrages übernimmt.»

Auch Carolyn, die das zweistöckige Modegeschäft «Honey/Mustard» in der Nähe des großherzoglichen Palastes betreibt, ist unzufrieden: «Einzelhändler können sich nicht in Luxemburg-Stadt niederlassen, die Mieten sind zu teuer.» Ende 2012 hat sie zusammen mit zwei anderen Gesellschaftern den Laden eröffnet, das Geld kam vor allem aus einem anderen Geschäft, das im Bahnhofsviertel liegt. «Dank ´Extrabold´, unserem ersten Geschäft, das 2007 eröffnet wurde, konnten wir ´Honey/Mustard´ aufmachen und uns die Miete im Stadtzentrum leisten.»

8'000 bis 10'000 Euro Miete pro Monat für Laden in der Innenstadt

Carmen und Carolyn sind nicht die einzigen, die solche Schwierigkeiten bei der Geschäftsgründung hinnehmen müssen. Immerhin kostete im vergangenen Jahr die Monatsmiete für ein 100 Quadratmeter großes Geschäft in der Fußgängerzone laut dem «Retail Market Report» von Property Partners zwischen 8'000 und 10'000 Euro. In den anderen Stadtvierteln müssten Händler weniger für die Miete hinblättern, erzählt Carolyn: Zwischen 3'500 und 6'000 Euro werden dort für einen 100 Quadratmeter großen Raum fällig, das ist fast die Hälfte weniger als in der Innenstadt.

Dass es einen großen Unterschied zwischen dem Stadtzentrum und dem Bahnhofsviertel in puncto Modegeschäft-Angebot gibt, bestätigt auch Yves Piron, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands der Hauptstadt UCVL. «Es ist wahr, dass der Kontrast zu groß ist. Das sind zwei unterschiedliche Viertel für zwei unterschiedliche Arten von Kundschaft, wie auch in vielen anderen Städten.»

Angebot an Modegeschäften nicht so groß

Dabei sei das Angebot an Modegeschäften in Luxemburg-Stadt nicht ausreichend groß, bemängeln Carmen und Carolyn. «Als Verbraucherin komme ich in der Hauptstadt gar nicht auf meine Kosten. Zum Glück habe ich mein Geschäft, wo ich mir Kleidung auswählen kann, sonst würde ich ins Ausland fahren», berichtet Carmen.

Und Carolyn bestätigt: «Ich fahre häufig nach London, dort ist der Rhytmus ganz anders. Es gibt Luxusartikel, die Prêt-à-porter-Mode, aber auch andere Sachen. Eine Mischung der Modestile, die hier komplett fehlt.»

In Luxemburg-Stadt gebe es entweder teure Modegeschäfte oder preiswertere Kleidungsketten wie etwa H&M oder Jennyfer, so die Einzelhändlerin.

UCVL: «Es mangelt an Unternehmergeist»

Der Verband UCVL kennt das Problem zu gut. «Viele Kunden kommen zum Cityshopping Info Point und fragen, wo sie kleinere Läden der lokalen Modedesigner finden können. Ich verstehe sie», gibt Yves Piron zu. Die öffentliche Hand könne helfen, meint der UCVL-Vorsitzende. «Vorstellbar ist, dass der Staat oder die Hauptstadt unbenutzte Räumlichkeiten an junge Modedesigner vermieten, um auf diese Weise den Einzelhandel zu beleben.»

Doch wenn die Mieten geringer wären, gäbe es dann mehr Auswahl in der luxemburgischen Hauptstadt? Nein, lautet die Antwort von Carmen, Carolyn und Yves Piron. «Es mangelt in Luxemburg an Unternehmergeist. Junge Leute trauen sich nicht, das Risiko auf sich zu nehmen, um ein eigenes Geschäft zu gründen», sagt Carolyn. Yves Piron: «Junge Luxemburger neigen eher dazu, eine Beamtenkarriere beim Staat oder der Gemeinde zu starten.»

(Fatima Rougi/L´essentiel Online)

Paris ist die Nummer 1

Paris hat die größte Anzahl an Luxusmodegeschäften, stellt die europäische Beratungsgesellschaft Jones Lang Lasalle fest. 150 Modegeschäfte der 100 Top-Luxusmarken gibt es in der französischen Hauptstadt. Damit wird Paris zur europäischen Hauptstadt der Mode und des Luxus. London steht mit 125 Geschäften hinter Paris. Luxemburg wird in dieser Studie zwar nicht berücksichtigt. Die Hauptstadt mit ihren rund 20 Luxus-Modeboutiquen konkurriert aber unserer Einschätzung nach mit Brüssel (30 Luxusmodegschäfte) und schneidet besser ab als Antwerpen (13) oder Amsterdam (22).

Eine andere Studie derselben Beratungssgesellschaft platziert Luxemburg als Luxusgüter-Schwellenmarkt neben Bordeaux, Antwerpen, Oslo oder Turin.

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