Parteiskandal – Zu weit rechts für die ADR?

Publiziert

ParteiskandalZu weit rechts für die ADR?

LUXEMBURG – Die Alternativ Demokratische Reformpartei hat zwei Mitglieder gebeten, auszutreten. Grund waren ausländerfeindliche Äußerungen der beiden im Internet.

Zwei Mitglieder der ADR mussten die Partei verlassen, weil sie im Internet auf eigene Initiative islamophobes und rechtsextremistisches Gedankengut verbreitet hatten.

Nach Informationen von «L’essentiel Online» handelt es sich dabei um die beiden ADR-Jungpolitiker Timon Müllenheim und Dany Sobral, Generalsekretär respektive Vizepräsident der ADR-Jugendorganisation Adrenalin. Offiziell traten die beiden freiwillig aus.

Gegenüber «L’essentiel Online» sagte ADR-Parteipräsident Fernand Kartheiser, dass die ADR keine ausländerfeindlichen, islamophoben oder menschenverachtenden Äußerungen dulden wolle: «Die Betroffenen sind schon vor Monaten mit ihren Aktivitäten im Internet auffällig geworden. Wir haben sie in einem ersten Gespräch darauf aufmerksam gemacht, dass derartige Positionen, sei es Homophobie, Islamophobie oder Verbindungen zu Organisationen wie der 'English Defense League' (Anmerkung der Redaktion: eine islamfeindliche Vereinigung) für uns inakzeptabel sind.»

«Freiwilliger» Austritt

Die Verwarnung trug offenbar keine Früchte. So wurden die beiden Jungpolitiker, die Kartheiser «aus Respekt vor deren Persönlichkeitsrechten» nicht namentlich nennt, vor die Wahl gestellt, auszutreten oder aus der Partei ausgeschlossen zu werden. Die Wochenzeitung «Woxx» hatte bereits am 14. Juni über den Vorfall berichtet.

Auslöser dieses letzten Aktes in dem PR-Fiasko um die ADR war ein offener Brief des luxemburgischen Bloggers Meris Sehovic an Fernand Kartheiser, in dem er letzteren auf die Inhalte eines gewissen «DJ Ader» auf Facebook und Youtube ansprach. Unter diesem Pseudonym wurden als «Radical Hardcore» bezeichnete Musik-Clips, die mittlerweile vom Netz genommen wurden, hochgeladen, die ADR-Logos zusammen mit islam- und latent ausländerfeindlichen Parolen beinhalten. Kartheiser distanzierte sich in seiner Antwort auf den offenen Brief von den Clips und kündigte den Parteiaustritt der Verantwortlichen an.

Marschierende Soldaten und Parolen

Die Betreiber bezeichnen ihre Musik als «Musik gemischt mit verschiedenen Reden von ADR-Abgeordneten oder Mitgliedern». Eines der Videos trägt den Titel «ADaRméi» und zeigt unter anderem Aussagen wie «wäiß ADR fir Eierlechkeet» mit Bildern marschierender Soldaten. Zudem tauchen immer wieder Schlagworte wie «Wirtschaftsflüchtlinge» und «Asylanten» auf.

Tief blicken lassen auch die «empfohlenen Videos», die passenderweise am rechten Rand aufgelistet sind: Neben Videos der deutschen rechtsextremen Partei NPD sind dort auch Hass-Videos diverser rechtsextremer Gruppierungen zu finden.

Sämtliche Videos von «DJ Ader» sind mittlerweile nicht mehr öffentlich verfügbar, die Facebook-Seite ist jedoch noch zugänglich und trägt offen eine Verbindung zur ADR zur Schau. Sowohl Müllenheim als auch Sobral stehen zudem hinter den «Luxemburg Feedom News», einer Facebook-Gruppe, die offenbar als News-Dienst für antiislamistische, eurokritische Berichte gedacht ist. Die beiden stehen ebenfalls einer Gruppe nahe, die sich «Luxemburg Defence League» nennt und einem europaweiten Netzwerk islamophober und nationalistischer Bewegungen angehört.

PR-Fiakso für die ADR

Die ADR, die sich laut Parteichef Kartheiser als «konservative Partei» versteht, will sich offensichtlich immer stärker von ihren Mitgliedern, die am rechten Rand stehen, distanzieren. «Wir haben aus der Affäre gelernt und wollen in Zukunft schneller handlungsfähig sein. Wir haben deshalb eine interne Disziplinarverordnung erstellt, die auf unserer Internetseite veröffentlicht wurde.» Die Aktivitäten der beiden geschassten Jungpolitiker hätten dem Image der ADR «großen Schaden zugefügt», so Kartheiser.

Ein Fiasko, das knapp zehn Monate nach dem Rücktritt des Großteils des Adrenalin-Vorstands aufgrund grundlegender politischer Differenzen einen weiteren Image-Schaden für die Jugendorganisation bedeutet.

(Michel Thiel / L'essentiel Online)

Müllenheim wittert Verschwörung von Links

Timon Müllenheim, einer der beiden ausgetretenen ADR-Mitglieder, hat sich nach der Veröffentlichung des Artikels auf L'essentiel Online in einem Schreiben an die Medien gewandt. Er bestreitet darin, hinter den Facebook-Seiten «DJ Ader» oder «Luxemburg Freedom News» zu stehen. Seinen Austritt aus der ADR erklärt er damit, dass die sogenannten «Neuen Medien» der Parteiführung ein «rotes Tuch» seien. Dies habe seine Arbeit und jene von Dany Sobral erschwert, so dass man sich zum Austritt entschieden habe. Müllenheim distanziert sich von jeglichen politischen Extremismen und sieht hinter der Berichterstattung des L'essentiel Online eine Kampagne ihm «feindlich gesinnter, extremistischer Kreise», darunter der «links-extremen Antifa.lu».

Deine Meinung