Vermisst nach Wanderung – Zwei Deutsche in Afghanistan entführt?
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Vermisst nach WanderungZwei Deutsche in Afghanistan entführt?

In Afghanistan sind möglicherweise zwei Deutsche entführt worden. Es handelt sich dabei um zwei Entwicklungshelfer, die in der Provinz Parwan wandern gewesen waren.

In Afghanistan sind zwei Deutsche verschwunden. Laut dpa handelt es sich um zwei Entwicklungshelfer.

In Afghanistan sind zwei Deutsche verschwunden. Laut dpa handelt es sich um zwei Entwicklungshelfer.

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Seit vergangenem Freitag werden die beiden Deutschen in Afghanistan bereits vermisst. Nach Angaben der afghanischen Behörden waren die beiden Männer, bei denen es sich um Entwicklungshelfer aus Kabul handeln soll, in der Salang-Gegend nördlich von Kabul auf eine Wanderung gegangen. Als ihr Fahrer sie nach dem Tagesausflug wieder abholen wollte, fehlte von ihnen jede Spur. Bis Dienstag - erst dann wurde der Fall überhaupt bekannt - gab es kein Lebenszeichen von ihnen. Nun wächst die Sorge, dass die Deutschen entführt worden sein könnten.

Einer der Vermissten arbeitet bei der GIZ

Das malerische Salang-Gebiet ist unter Afghanen, aber auch unter Ausländern in Kabul beliebt für Tagesausflüge. Der Salang-Pass quert den Hindukusch, und die Provinz Parwan auf der südlichen Seite des Hochgebirgspasses gilt als relativ sicher - für afghanische Verhältnisse. Kriminelle Banden operieren allerdings auch in Parwan. Und am Sonntag vorvergangener Woche überfiel ein Selbstmordkommando der Taliban den Sitz des Gouverneurs in der Provinzhauptstadt Charikar. Die Aufständischen töteten 19 Menschen.

Einer der vermissten Deutschen ist nach dpa-Informationen für die staatliche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Kabul tätig. Der zweite Bundesbürger soll für eine nicht-staatliche Organisation arbeiten, die sich schon lange in Afghanistan engagiert. Während kleinere Hilfswerke oft weniger scharfe Sicherheitsbestimmungen für ihre internationalen Mitarbeiter haben, gelten für Entsandte der GIZ extrem strenge Auflagen. Wandern ist ihnen in der Freizeit nicht erlaubt.

Verstärkung bei der Suche

Die Aussagen der afghanischen Behörden und des Fahrers der beiden Deutschen könnten darauf hindeuten, dass die Männer möglicherweise nicht das erste Mal gemeinsam die Berge des Hindukusch erkundeten. Die Sprecherin des Gouverneurs von Parwan, Roschana Chalid, sagte am Dienstag, der Fahrer «war es gewohnt, bis 15.30 Uhr auf sie zu warten, wenn sie wandern waren. An diesem Tag wartete er, aber die beiden kamen nicht herunter.» Der Fahrer habe schließlich das örtliche Büro des Geheimdienstes NDS alarmiert.

Nun suchten Polizei und NDS nach den beiden Männern, sagte Chalid. «Wir haben auch örtliche (Nomaden-Stämme der) Kuchis gebeten, die Suchmannschaft in der Gegend zu unterstützen, wo sie verschwunden sind. Alle bemühen sich, die Deutschen zu finden.» Bislang allerdings ohne jeden Erfolg. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte eine Entführung der beiden Männer am Dienstag «nicht ausschließen».

Taliban prüfen eine mögliche Geiselnahme

Zwar haben die Taliban sich bislang ausdrücklich nicht zu einer Entführung der Deutschen bekannt: «Wir haben keine Berichte über eine Entführung der beiden vermissten Deutschen. Wir prüfen das», sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid.

Das muss aber nicht viel heißen. In der Vergangenheit kam es vor, dass Ausländer von kriminellen Banden verschleppt und später an die Taliban weiterverkauft wurden. Wenn es Kidnappern aber nicht mehr nur um Lösegeld, sondern auch um die Durchsetzung politischer Ziele geht, können die Verhandlungen außerordentlich kompliziert und langwierig werden.

(L'essentiel online/dpa)

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