Taliban-Attentat – Zwei deutsche Soldaten bei Anschlag getötet

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Taliban-AttentatZwei deutsche Soldaten bei Anschlag getötet

In Afghanistan sind zwei deutsche Soldaten getötet worden, einer von ihnen war im rheinland-pfälzischen Kastellaun stationiert. Ein General wurde verletzt.

Der deutsche General Kneip (rechts), hier mit Verteidigungsminister de Maizière, wurde bei dem Anschlag verletzt.

Der deutsche General Kneip (rechts), hier mit Verteidigungsminister de Maizière, wurde bei dem Anschlag verletzt.

AFP

Ein Selbstmordattentäter, der nach ersten Erkenntnissen eine Polizeiuniform trug, hat sich am Samstag nach einem hochrangigen Treffen im schwer gesicherten Sitz des Gouverneurs in der Provinzhauptstadt Talokan in die Luft gesprengt. Sieben Personen wurden getötet, darunter zwei deutsche Soldaten.

Die beiden kamen aus Rheinland-Pfalz und aus Niedersachsen. «Bei den Gefallenen handelt es sich um einen 43-jährigen Major aus dem Führungsunterstützungsbataillon 282 in Kastellaun und einen 31-jährigen Hauptfeldwebel des Feldjägerbataillons 152 aus Hannover», teilte die Bundeswehr am Sonntag auf ihrer Homepage mit. Mit dem Anschlag stieg die Zahl der in Afghanistan ums Leben gekommenen Bundeswehrsoldaten auf 50. Von ihnen starben 32 bei Gefechten oder Anschlägen.

General Kneip behält Befehlsgewalt

Der deutsche General Markus Kneip wurde verwundet. Sein Gesundheitszustand ist stabil. Kneip liege im Feldlazarett im Bundeswehr-Camp Marmal in Masar-i-Scharif, sagte ein Bundeswehr-Sprecher am Sonntag. Er habe weiterhin die Befehlsgewalt über die Internationale Schutztruppe Isaf in Nordafghanistan. «General Kneip ist nach wie vor der Kommandeur.»

Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes vor fast zehn Jahren ist Kneip das hochrangigste Opfer der Bundeswehr und der internationalen Truppen insgesamt bei einem Anschlag. Nie zuvor wurde ein General bei einem Attentat am Hindukusch verletzt oder getötet.

Bei dem Anschlag, zu dem sich die Taliban bekannten, hatten die afghanischen Sicherheitskräfte ihr bislang hochrangigstes Todesopfer zu beklagen: Der Polizeikommandeur für den Norden und frühere Vize-Innenminister, Daud Daud, kam ums Leben. Unter den insgesamt sieben Toten ist auch der Polizeichef der östlich von Kundus gelegenen Provinz Tachar, Schah Dschahan Nuri.

Neun Verletzte

Neun Menschen wurden verletzt, darunter Tachars Gouverneur Abdul Jabar Taqwa, sowie fünf Deutsche. Am Sonntag wollte Isaf-Kommandeur David Petraeus mit Kneip in Masar-i-Scharif zusammentreffen.

In Berlin hat der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, Generalleutnant Rainer Glatz, mitgeteilt: «Wir müssen davon ausgehen, dass es ein Angriff mehrerer Selbstmordattentäter gewesen ist.» Afghanische Quellen wie auch Teilnehmer des Treffens am Sitz des Gouverneurs sprachen von einem Selbstmordattentäter. Der uniformierte Mann soll zu den Sicherheitskräften gehört haben, die die Konferenz schützen sollten. Als die Teilnehmer des Treffens den Konferenzraum verlassen hätten, sei der Attentäter auf die Gruppe zugegangen und habe seinen Sprengstoff gezündet, hieß es.

Trotz des Anschlags will die Bundesregierung an ihrer bisherigen Strategie in Afghanistan festhalten. Außenminister Guido Westerwelle bekräftigte am Sonntag bei einem Besuch im Golfstaat Oman, dass die afghanischen Sicherheitskräfte innerhalb der nächsten Wochen die Verantwortung in ersten Regionen übernehmen sollen. Gegen Ende des Jahres soll dann wie geplant der Abzug der ersten deutschen Soldaten beginnen. Im Bundeswehr-Einsatzgebiet sollen die Afghanen von Juli an schrittweise die Verantwortung für Masar-i-Scharif übernehmen.

L'essentiel Online/dpa

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