«Schluss mit dem Krach!» – Zwei Festivals führen die Nachtruhe ein
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«Schluss mit dem Krach!»Zwei Festivals führen die Nachtruhe ein

Das ist nichts für Hartgesottene: Bei den Festivals Southside und Hurricane kann das Zelt seit diesem Jahr in einer Ruhezone aufgeschlagen werden.

Dieses Bild soll sich Besuchern der so genannten «grünen Zone» nicht bieten. Sie verpflichten sich, ihren Müll in Behälter zu werfen.

Dieses Bild soll sich Besuchern der so genannten «grünen Zone» nicht bieten. Sie verpflichten sich, ihren Müll in Behälter zu werfen.

FKP Scorpio

«Helga ist tot!», rufen bisweilen genervte Festival-Besucher zurück, wenn mal wieder ein Spaßvogel den allseits bekannten Running-Gag auf deutschsprachigen Festivals anfacht: Er gibt vor, eine gewisse Helga zu suchen und schreit ihren Namen über die Zeltstadt hinweg. Nicht selten «suchen» in der Folge Dutzende johlend nach der wohl berühmtesten Festival-Besucherin überhaupt. Das geht selbst dem härtesten Dosenbiertrinker irgendwann auf die Nerven.

Deswegen haben die Zwillingsfestivals Southside und Hurricane dieses Jahr auf ihren Campingplätzen eine «green zone» eingerichtet. Wer dort sein Zelt aufschlägt, verpflichtet sich dazu, ab Mitternacht ruhig zu sein und seine Abfälle in den dafür vorgesehenen Behältern zu entsorgen. Mit «grün» hat das allerdings noch nichts am Hut. Denn eine Abfalltrennung fehlt, wie «Zeit Online» weiß. Wieso die Zone dennoch grün ist, veranschaulicht erst ein Blick auf den abgetrennten Camping-Sektor: Während auf der anderen Seite des Zauns die Musikfans mit jedem Schritt von einem Schlammvakuum festgenagelt werden und die Zelte allmählich im Sumpf einsinken, blüht in der «green zone» das Gras wie eh und je. Wo die Fans nicht bis ins Morgengrauen tanzen und johlen, bleibt schließlich auch die Wiese intakt.

Ruheoasen senken Ticketpreise

Dass das Ganze funktioniert, ist übrigens das Verdienst der Festival-Besucher selbst: Auf dem Hurricane wie auch dem Southside bleiben Regelverstöße traditionellerweise fast ausnahmslos ungeahndet. «Die Idee mit den 'green zones' kam bei Fans beider Lager fantastisch an», zieht Hatja Wittenstein von Festivalorganisator FKP Scorpio Fazit. Die Verantwortlichen seien sich denn auch schon «ziemlich sicher», dass sich die Größe der «green zones» im nächsten Durchlauf gut verdoppeln ließen. Dass die Organisatoren das Konzept weiter vorantreiben, erstaunt denn auch wenig: Kommt weniger Müll zusammen und müssen weniger Rasenflächen wieder aufgepäppelt werden, fallen auch weniger Kosten an.

«Das ist natürlich ein enormer Vorteil, der uns hilft, die Preise stabil zu halten», so Wittenstein. Allerdings müssen die Zonen dazu noch etwas wachsen – die heute etwa 10 Prozent der Gesamtfläche des Campingplatzes vereinnahmenden Ruheoasen seien noch zu klein, um beim Kassensturz positiv ins Gewicht zu fallen. Ein durch und durch grüner Campingplatz ist demnach das Ziel. Ob der jemals Wirklichkeit wird, steht allerdings in den Sternen. Denn nicht zuletzt geht es vielen Festival-Besuchern auf dem Campingplatz doch genau darum: Fernab von gesellschaftlichen Konventionen mal so richtig die Sau rauszulassen.

L'essentiel Online/Michael Küng

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