Gefälschte Daten? – Zweifel an Studie zu Malaria-Mittel bei Covid-19
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Gefälschte Daten?Zweifel an Studie zu Malaria-Mittel bei Covid-19

Hydroxychloroquin soll laut einer Studie bei Corona-Patienten nicht wirken und schwere Nebenwirkungen haben. Nun distanzieren sich Experten von den Ergebnissen.

Mehrere Tests mit dem Malaria-Medikament Hydroxychloroquin bei Covid-19-Erkrankten können wieder aufgenommen werden. Experten haben sämtliche Daten erneut überprüft und sind zum Schluss gekommen, dass nichts gegen eine Fortsetzung der Tests spricht.

Das Mittel war Bestandteil einer von der WHO koordinierten Forschungsreihe mit mehr als 3500 Patienten in 35 Ländern, wie der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, in Genf sagte.

Dabei wird untersucht, ob verschiedene schon vorhandene Medikamente etwa gegen Malaria, HIV, Ebola und Multiple Sklerose einen Effekt gegen Covid-19 haben. Nach einem Bericht in der Fachzeitschrift «The Lancet», dass Hydroxychloroquin womöglich die Todesrate erhöhen könnte, waren die Versuche Ende Mai vorübergehend ausgesetzt worden.

Keine Beweise für Wirksamkeit

Das sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, die nach Urteil der Experten nicht mehr nötig sei, sagte Tedros. Soumya Swaminathan, Chefwissenschaftlerin der WHO, betonte aber: «Es gibt bislang keine Beweise, dass irgendein Medikament die Mortalität reduziert.»

Das Journal «The Lancet» hat am Donnerstagabend seine Studie zu Hydroxychloroquin und Chloroquin mit einem offiziellen Warnhinweis – einem sogenannten «expression of concern» – versehen. Drei der vier Autoren – der Studienleiter Mandeep Mehra von der Harvard University sowie die Co-Autoren Frank Ruschitzka vom UniversitätsKrankenhaus Zürich und Amit Patel von der University of Utah – hatten berichtet, dass sie Zweifel an ihren Daten nicht ausräumen konnten.

Laut Spiegel.de teilten sie mit, dass sie sich für eine unabhängige Überprüfung der Daten eingesetzt hätten, dies sei jedoch von der vierten Partei, der Firma Surgisphere, die die Daten geliefert hatte, abgelehnt worden. «Auf der Grundlage dieser Entwicklung könnten wir nicht länger für die Richtigkeit der Primärdaten bürgen», so Mehra, Ruschitzka und Patel. Bei dem Fachjournal und den Lesern entschuldigten sich die Wissenschaftler laut dem Magazin.

US-Präsident preist Medikament als Wundermittel

Die Forscher hatten die Studie in «The Lancet» vom 22. Mai veröffentlicht. Sie hatten nach Studien-Angaben Daten von gut 96'000 Patienten ausgewertet. Wegen der negativen Ergebnisse waren mehrere Studien zu Hydroxychloroquin ausgesetzt worden.

Zuvor hatte sich unter anderem ein Artikel im Fachjournal «Nature» Ende Mai kritisch über die Studie in «The Lancet» geäußert und dazu, dass daraufhin viele Studien zu Hydroxychloroquin ausgesetzt worden waren.

US-Präsident Donald Trump hatte Hydroxychloroquin wiederholt als Wundermittel und sogar als «Geschenk Gottes» gepriesen. Zuletzt sorgte er für Aufregung mit der Aussage, er nehme das Medikament prophylaktisch ein, um sich vor dem Virus zu schützen.

(L'essentiel/SDA/fee)

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