Mord von Annecy – Zweite Festnahme - und viele offene Fragen

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Mord von AnnecyZweite Festnahme - und viele offene Fragen

Nach der Verbreitung des Phantombildes eines Motorradfahrers hat die französische Polizei zwei Verdächtige festgenommen. Doch der Vierfachmord in Annecy bleibt mysteriös.

18 Monate nach einem Vierfachmord in den französischen Alpen hat die Polizei einen zweiten Verdächtigen festgenommen. Ein Staatsanwalt in Annecy, Eric Maillaud, erklärte aber am Mittwoch, der Fall sei noch nicht aufgeklärt.

Am Dienstag wurde ein 48-jähriger Mann festgenommen, den Maillaud als Waffensammler und früheren Gemeindepolizisten beschrieb. In seinem Haus seien bei einer Durchsuchung alte Waffen, eine Granate und Mörser sichergestellt worden. Ein Freund des Mannes sei ebenfalls festgenommen worden. Beide könnten Verbindungen zu illegalen Waffenhändlern haben. Zunächst war nur die Festnahme des 48-Jährigen bekanntgegeben worden.

Phantombild veröffentlicht

Die rätselhafte Bluttat beschäftigt Ermittler in Frankreich und Großbritannien seit fast anderthalb Jahren: Anfang September 2012 waren der aus dem Irak stammende Brite Saad al-Hilli, seine Frau Ikbal, deren Mutter und ein laut Ermittlern zufällig vorbeikommender französischer Radfahrer auf einem Waldparkplatz bei Annecy mit Kopfschüssen erschossen worden. Die beiden kleinen Töchter überlebten die Bluttat, eines der Mädchen wurde aber schwer verletzt.

Mehr als ein Jahr nach der Tat veröffentlichten die französischen Behörden im vergangenen November das Phantombild eines Motorradfahrers, der in der Nähe des Tatorts gesehen worden war. Staatsanwalt Eric Maillaud erklärte nun, die Festnahme des 48-Jährigen sei die Folge von Zeugenaussagen nach der Verbreitung des Bildes. Die Polizei durchsuchte am Dienstag das Haus des Mannes in einem Dorf nahe des Tatorts.

Es gilt die Unschuldsvermutung

Maillaud betonte aber, es gebe keine «direkte Verbindung» zwischen dem Festgenommenen und den Mordopfern. Es gelte die Unschuldsvermutung. Auch könnte es bald weitere Festnahmen geben. Bei dem festgenommenen Mann handelt es sich laut Angaben aus Ermittlerkreisen um einen «schweigsamen Bergbewohner» und «Waffenliebhaber», der wie ein «Außenseiter» lebe.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen aus dem Dienst entlassenen Polizisten, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete. Warum er seinen Job aufgeben musste, war zunächst unklar.

Die französische Staatsanwaltschaft hatte rund ein Jahr nach den Morden mehrere ernsthafte Spuren genannt: Neben Erbstreitigkeiten in der Familie al-Hilli nannte sie auch Industriespionage beziehungsweise Technologietransfer als mögliches Mordmotiv.

Bruder wurde zweitweise verdächtigt

Die Spur zum in Großbritannien lebenden Bruder des getöteten Familienvaters, der zeitweise verdächtigt worden war, wegen Erbstreitigkeiten ein Mordkomplott gegen Saad al-Hilli geschmiedet zu haben, hatten britische Ermittler im Januar de facto zu den Akten gelegt.

Saad al-Hilli arbeitete als Ingenieur im Luft- und Raumfahrtsektor, der französische Radfahrer für eine Nuklearfirma in Frankreich. Gefunden wurden die Leichen von einem britischen Ex-Soldaten, der in der Gegend mit seinem Fahrrad unterwegs war. Die in London ansässigen al-Hillis hatten in der Region von Annecy Ferien gemacht.

(L'essentiel/sda )

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