Fettnapf Außenpolitik – Zweiter Teil von Romney-Video aufgetaucht
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Fettnapf AußenpolitikZweiter Teil von Romney-Video aufgetaucht

Nach einem Frontalangriff auf US-Bürger schießt Mitt Romney auch noch gegen Palästinenser. Die geheimen Aufnahmen hatder Enkel des Ex-Präsidenten Carter veröffentlicht.

Mitt Romney wirft den Palästinensern vor, kein Interesse am Friedensprozess im Nahen Osten zu haben. In einem zweiten Teil eines heimlich aufgenommen Videos bei einer privaten Spendenveranstaltung sagt der republikanische Präsidentschaftskandidat, dass Palästina «an der Zerstörung und Vernichtung Israels» festhalte. Das berichtet die «Washington Post». Die Aussicht auf eine Zwei-Staaten-Lösung sei damit sehr gering. Weiter erklärt er dem Publikum des privaten Empfangs für reiche Wahlspender im Mai laut den Aufnahmen: «Sie hoffen auf einen gewissen Grad an Stabilität, aber erkennen, dass dies ein ungelöstes Problem bleiben wird».

Romney lehnte sich in Sachen amerikanischer Außenpolitik noch weiter aus dem Fenster. Der Iran könne Amerika jederzeit mit einer «dreckigen Bombe» bedrohen. «Wäre ich Iran, ein verrückter Fanatiker, würde ich ein bisschen spaltbares Material der Hisbollah geben und sie anweisen, es nach Chicago oder irgendwo anders hin zu bringen», so der Multimillionär.

Obamas Retourkutsche

Auch der zweite Teil des Videos wurde von dem als eher links geltenden Magazin Mother Jones auf seiner Website veröffentlicht. In einem ersten Teil hatte Romney über die Anhänger von Obama erklärt, sie sähen sich als Opfer und setzten nur darauf, dass der Staat sie unterstützen müsse. Diese Mitschnitte wurden am Montag veröffentlicht.

US-Präsident Barack Obama reagierte zwischenzeitlich mit scharfer Kritik auf die abschätzigen Äußerungen über einen Teil der amerikanischen Wähler: Romney schreibe einen großen Teil des Landes ab, sagte er in der «Late Show» des Fernsehsenders CBS am Dienstag. «Als Präsident habe ich gelernt, dass man das ganze Land repräsentiert», führt Obama weiter aus. Er habe vom ersten Moment an klar gemacht, offen für alle zu sein. «Ich habe noch in der Wahlnacht gesagt: Auch wenn ihr mich nicht gewählt habt, höre ich eure Stimmen und ich werde so hart wie es geht daran arbeiten, euer Präsident zu sein», sagte Obama unter dem Applaus des Studiopublikums.

«Ich will allen Amerikanern helfen»

Wahlkampfbeobachter und Kommentaren sehen in den Äußerungen Romneys einen groben Schnitzer. Nicht wenige gehen davon, aus, dass ihm dieser Fauxpas den Sieg schon jetzt verbaut haben könnte. «Bloomberg» schreibt gar: «Today, Romney has lost the Election» (Heute hat Romney die Wahl verloren).

Romney bemühte sich unterdessen, seine Kommentare als Beweis für die fundamentalen Unterschiede zu Obama darzustellen. Der Herausforderer sagte dem Fernsehsender Fox, er habe keine Wähler abschreiben wollen. Er werde keine Stimmen von Menschen erhalten, die glaubten, dass die Regierung Wohlstand umverteilen müsse. Daran glaube Obama jedoch, erklärte er.
In den Reihen der Republikaner wurden die Kommentare des Herausforderers diskutiert. Trotz aller Erklärungsversuche distanzierten sich bereits zwei Senatoren öffentlich von Romneys Äußerungen.

(L'essentiel Online/oku/sda)

Präsidentenenkel Carter fand Aufnahmen

Hinter der Veröffentlichung des Videos stand ein Enkel des früheren US-Präsidenten Jimmy Carter. James Carter IV. sagte, er habe denjenigen, der die Äußerungen heimlich aufgenommen habe, überzeugt, den Film den Medien zu übergeben. Er habe zunächst einen kurzen Clip auf YouTube entdeckt und dann via Twitter den Verfasser ausgemacht. Der Name des Kameramanns ist der Öffentlichkeit weiter nicht bekannt.

Der frühere Präsident war begeistert von der Arbeit seines Enkels: «James: Das ist außergewöhnlich. Glückwunsch! Papa», schrieb er in einer Mail, die der Nachrichtenagentur AP vorliegt.

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