Zwischen attraktivitätssteigernd und realitätsfern – die Arbeitszeitdebatte spaltet

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Work-Life-BalanceZwischen attraktivitätssteigernd und realitätsfern – die Arbeitszeitdebatte spaltet

LUXEMBURG – Im Großherzogtum hat die neu aufgelegte Debatte um verkürzte Arbeitszeiten große Wellen geschlagen. Die Reaktionen aus der Politik und der Arbeitswelt könnten kaum unterschiedlicher ausfallen.

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jg/L'essentiel
Befürworter der 35-Stunden-Woche gehen von höherer Produktivität aus.

Befürworter der 35-Stunden-Woche gehen von höherer Produktivität aus.

Eine reduzierte Arbeitszeit vorzuschlagen, «schien vor Kurzem noch irrational und unrealistisch, aber jetzt haben wir einen echten Diskurs», erklärt die OGBL-Präsidentin Nora Back. Der Kampf darum dauere schon Jahre. Die Diskussion wurde jüngst von einer Petition, die eine 35-Stunden-Woche fordert, neu belebt. Auch Arbeitsminister Georges Engel (LSAP) heizt die Debatte nochmal ordentlich an: Er sieht nach eigener Aussage in der Reduzierung der Arbeitszeit die Chance auf einen «großen gesellschaftlichen Wandel».

Ganz im Zeichen der diskutierten Frage nach einer gesunden Work-Life-Balance, spricht sich Engel für ein besseres Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben aus. Dafür liefert Nora Back auch das passende Argument: «Studien sagen, dass die Produktivität verbessert wird. Ein ausgeruhter Arbeitnehmer arbeitet auch besser». Sie plädiert für eine Maßnahme, die je nach Branchen variieren kann und eine Reduzierung der Arbeitszeit «täglich, wöchentlich, monatlich oder jährlich» möglich macht. Auch Patrick Dury, Präsident des LCGB, unterstützt diese Idee von mehr Flexibilität und fordert «weniger Arbeitsstunden pro Woche oder mehr Ruhetage, je nach den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens».

Attraktivität Luxemburgs steigern

Die liberale DP, die Teil der aktuell regierenden Koalition mit LSAP und den Déi Gréng ist, lehnt den Gedanken jedoch ab: «Wir haben bereits Schwierigkeiten, in bestimmten Branchen Arbeitskräfte zu finden, etwa im Handwerk, in der Gastronomie und bei der Polizei. Eine Verkürzung der Arbeitszeit würde das Problem nur verschärfen», erklärt der Abgeordnete Gilles Baum. Er schließt sich damit der Business-Vereinigung Fedil an, die sich über mögliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt besorgt gezeigt hatte.

Marc Spautz (CSV) will hingegen über einen größeren Rahmen verhandeln: «Man muss über eine Neuorganisation der Arbeit diskutieren». Der Abgeordnete und ehemalige Gewerkschafter befürwortet «ein Zeitsparkonto, das es ermöglicht, später Urlaub zu nehmen».

Wenig überraschend befürwortet Myriam Cecchetti (Déi Lénk) eine Verkürzung der Arbeitswoche auf weniger als 35 Stunden. Dies würde «teilweise durch höhere Produktivität ausgeglichen» werden, meint sie. Zusätzlich könnte die verkürzte Arbeitswoche die Attraktivität des Landes steigern. «Weniger zu arbeiten ist Teil eines gesellschaftlichen Wandels», lautet das Resümee der Politikerin.

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