Fahrer machen mobil – Zwölf Stunden im Bus, für acht Stunden bezahlt

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Fahrer machen mobilZwölf Stunden im Bus, für acht Stunden bezahlt

LUXEMBURG - Von ihren Arbeitsbedingungen haben gut 1500 Busfahrer von privaten Unternehmen genug. Für bessere Arbeitszeiten verzichten sie sogar auf mehr Lohn.

Busfahrer bei privaten Unternehmen verdienen im Schnitt etwa 30 Prozent weniger als im öffentlichen Dienst.

Busfahrer bei privaten Unternehmen verdienen im Schnitt etwa 30 Prozent weniger als im öffentlichen Dienst.

«Nein, ich habe keine Zeit für ein Gespräch. Ich muss mich ausruhen!» Der Busfahrer ist gerade an der Endstation angekommen. Seit 6 Uhr morgens ist er im Dienst. Vor 20 Uhr wird er nicht zuhause sein. Nun, um 15 Uhr hat er zwei Stunden zu überbrücken. Sein Nickerchen macht er im Bus. «Das ist eine Frage der Sicherheit. Sonst werde ich irgendwann zu müde.»

Müdigkeit ist eines der Hauptprobleme der Fahrer bei privaten Busunternehmen. Ihre Arbeitszeit verteilt sich auf 12 bis 13 Stunden am Tag, mit zwei oder drei Stunden Pause dazwischen. Damit ist die Sicherheit von Fahrgästen und Fahrern nicht gewährleistet, meinen die Gewerkschaften.

Acht Stunden am Steuer, zweieinhalb Stunden Pause, dann noch eine halbe Stunde am Steuer

Ein anderer Fahrer berichtet von einem Arbeitstag, der zunächst acht Stunden dauert. Nach einer zweieinhalbstündigen Pause setzt er sich dann noch einmal für eine halbe Stunde hinter das Steuer.

«Wir stehen morgens stundenlang im Stau. Die langen Pausenzeiten werden nicht bezahlt. Abends komme ich nach Hause und schlafe direkt ein. Meine Frau sehe ich manchmal am Wochenende», erklärt der Fahrer. Er warte auf das Ende seines befristeten Arbeitsvertrags. «Dann suche ich mir etwas Neues. Ich bereue, nach Luxemburg zurückgekommen zu sein, auch wenn ich hier besser verdiene.»

«An sich gefällt mir der Job»

Von den 12 bis 13 Stunden, die der Fahrer in seinem Bus verbringt, wird er für etwa acht bis neun Stunden bezahlt, die er tatsächlich hinter dem Steuer sitzt. Das macht einen Monatsverdienst von etwa 2400 Euro. Gut 30 Prozent weniger als ein Busfahrer im öffentlichen Dienst verdient.

Doch schlimmer als die Arbeitszeit finden die Fahrer die Stimmung im Unternehmen: «Wenn man nicht zu den besten Kumpels des Chefs gehört, dann redet niemand mit einem. Und man bekommt immer die schlechtesten Arbeitszeiten ab. Dabei gefällt mir der Job an sich: Es ist sauber und warm, man sieht immer neue Leute. Aber bei den Arbeitsbedingungen vergeht einem die Lust.»

(L'essentiel Online/Jérôme Wiss)

1500 Busfahrer in Überlandbussen

Gut 1500 Busfahrer arbeiten in Luxemburg bei privaten Unternehmen und fahren Überlandbusse des RGTR-Netzes. Gut 1200 Fahrer arbeiten im öffentlichen Dienst in den Bussen der Hauptstadt, der Eisenbahngesellschaft CFL oder beim Verband TICE.

Die Gewerkschaften machen derzeit gegen die Arbeitsbedingungen der Fahrer in privaten Unternehmen mobil. In den Verhandlungen haben sie zuletzt ein 13. Monatsgehalt abgelehnt, weil ihnen die Verbesserung der Arbeitszeiten wichtiger war als die Unterschiede bei der Bezahlung (etwa 30 Prozent weniger als im öffentlichen Dienst), erklärt Romain Daubenfeld vom OGBL.

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