Prozessauftakt

16. Juni 2020 14:16; Akt: 16.06.2020 14:17 Print

Ist Teslas «Autopilot» irreführend?

Der E-Auto-Pionier wirbt seit jeher mit seinem «Autopilot»-Feature, was von einem vollständigen Autopiloten noch weit entfernt ist. Der Fall landete nun beim Landgericht München.

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Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs wirft Tesla irreführende Werbung vor. (Bild: DPA/Soeren Stache)

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Ob Tesla weiterhin mit einem «Autopiloten» in seinen Elektrofahrzeugen werben darf, muss jetzt das Landgericht München klären. Der kalifornische Autobauer wirbt für das Fahrerassistenzsystem seines «Model 3» mit Aussagen wie «Autopilot inklusive» und «Volles Potenzial für autonomes Fahren». Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hat Tesla deshalb wegen «irreführender Werbung» auf Unterlassung verklagt. Der Prozess begann am Dienstag.

Fast alle Autohersteller bieten heute Assistenzsysteme an. Die Fahrzeuge können das Tempo, die Spur und den Abstand halten, überholen, im Stau allein fahren und selbstständig einparken. Aber bis zum wirklich selbstfahrenden Auto, das ohne Eingreifen eines Fahrers sicher fährt, ist es noch ein sehr weiter Weg. In Deutschland gibt es auch noch keinen rechtlichen Rahmen für autonome Fahrzeuge.

Tesla weist die Vorwürfe zurück

Die Wettbewerbszentrale wirft Tesla Irreführung vor. Der US-Autobauer habe «bis Ende des Jahres» 2019 «automatisches Fahren innerorts» angekündigt. Die Werbung für den «Autopiloten», der Ampeln erkenne und «unter Berücksichtigung von Fahrzeugen und Fußgängern auf seiner Spur» lenke, bremse und beschleunige, habe den Eindruck erweckt, die Autos könnten und dürften auch in der Stadt autonom fahren. Das erwecke den falschen Eindruck, die Tesla-Autos könnten ganz ohne menschliches Eingreifen fahren und seien dafür auch rechtlich zugelassen.

Tesla weist den Vorwurf der Irreführung zurück. Denn das Unternehmen schränkt die Aussagen auf der Website auch gleich wieder ein: «Die gegenwärtig aktivierten Funktionen verlangen eine aktive Überwachung durch den Fahrer - ein autonomer Betrieb des Fahrzeugs ist damit nicht möglich.» Die Aktivierung und Verwendung von Autonomiefunktionen verlange den Nachweis über Milliarden gefahrener Kilometer, dass sie zuverlässiger seien als menschliche Fahrer. Außerdem seien für den autonomen Betrieb gesetzliche Genehmigungen erforderlich, die je nach Rechtsprechung noch länger dauern dürften, heißt es direkt unter der Werbung für den Autopiloten.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gruss aus Wolfsburg am 16.06.2020 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    "Clean Diesel" war auch irreführend.

  • WhaleWhisperer am 17.06.2020 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Frage zu autonomem Fahren und zur Zulassung: Software ist nie statisch. Es gibt regelmässig neue Updates oder Versionen. Angenommen ein Auto wäre eines Tages für autonomes Fahren zugelassen nach Milliarden gefahrener Kilometer im Test. In welchem Umfang müssen diese Tests wiederholt werden bei jedem Update oder neuer Version? Wieviele Tests müssen gemacht werden wenn sich in einem Land Verkehrsregeln ändern bzw. zum Beispiel Wegweise-Schilder oder Lichtsignale von Gesetz wegen ein anderes Design bekommen?

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  • Tesla-Fahrer am 16.06.2020 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ich denke, die Formulierung "volles POTENZIAL für autonomes Fahren" zeigt klar, was man kriegt, nämlich eben kein autonomes Fahren. Trotzdem finde ich, dass sich Tesla damit keinen Gefallen tut. Sie sollten transparenter informieren und kommunizieren, was für Funktionen man bekommt. Diese Informationen findet man zwar, aber man muss das Kleingedruckte lesen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • WhaleWhisperer am 17.06.2020 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Frage zu autonomem Fahren und zur Zulassung: Software ist nie statisch. Es gibt regelmässig neue Updates oder Versionen. Angenommen ein Auto wäre eines Tages für autonomes Fahren zugelassen nach Milliarden gefahrener Kilometer im Test. In welchem Umfang müssen diese Tests wiederholt werden bei jedem Update oder neuer Version? Wieviele Tests müssen gemacht werden wenn sich in einem Land Verkehrsregeln ändern bzw. zum Beispiel Wegweise-Schilder oder Lichtsignale von Gesetz wegen ein anderes Design bekommen?

    • Manuell am 17.06.2020 11:12 Report Diesen Beitrag melden

      Hasse sowieso all das automatisches getöse! Ich möchte noch immer selbst fahren. Das gilt auch für Licht, Scheibenwischer, Spuren-wechsel und co!

    • Pablo am 17.06.2020 14:16 Report Diesen Beitrag melden

      Ich nicht es wäre doch cool wenn für weite Strecken oder in der Stadt das Auto selbstfahrend wäre und ich entspannter am Ziel ankommen würde.

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  • Tesla-Fahrer am 16.06.2020 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ich denke, die Formulierung "volles POTENZIAL für autonomes Fahren" zeigt klar, was man kriegt, nämlich eben kein autonomes Fahren. Trotzdem finde ich, dass sich Tesla damit keinen Gefallen tut. Sie sollten transparenter informieren und kommunizieren, was für Funktionen man bekommt. Diese Informationen findet man zwar, aber man muss das Kleingedruckte lesen.

  • TrumpyCat am 16.06.2020 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Und ob! Also, wenn eine Wurst nicht mehr "Thüringer" heissen darf, obwohl es sich um Wurst handelt, nur eben nicht im Lande Thüringen hergestellt wird, ist dieser Fall Kristall-klar!

  • Gruss aus Wolfsburg am 16.06.2020 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    "Clean Diesel" war auch irreführend.